Freitag, 27. Mai 2016

Lieber geliebter Bruder,                                                                                                         27.05.2016



die Zeit vergeht und sie vergeht ohne Dich!
Die Tagesklinik liegt hinter mir und ich kann wieder ein bisschen geradeaus gucken.
Es war eine gute und intensive Zeit und ich habe viel verstanden und mitgenommen.



Und es bleibt ein großes Loch, eine Leere, wann immer ich an Dich denke.....
Es ist nicht einfach und wird es wohl nie sein....
Ich weine viel, weil es angemessen ist, weil den eigenen Bruder nach so kurzer gemeinsamer Zeit auf diese Art und Weise zu verlieren eine verdammt traurige Angelegenheit ist, das kann ich Dir sagen. Es ist nicht mehr so dunkel in mir, das Licht findet wieder einen Platz in mir, aber die Tränen wollen nicht aufhören.
Tränen über den Verlust, die Trennung, die Sprachlosigkeit, die Unfassbarkeit und das unermessliche Leid, das Dein Gehen in mir ausgelöst hat.
Manchmal bin ich untröstlich, unfassbar wütend, hilflos und fühle mich klein und allein gelassen. Leider ist das eine Erfahrung, die ich in meinem Leben nicht zum ersten Mal mache und ich hätte mir so gewünscht, dass nicht ausgerechnet Du es bist, der mich nun allein lässt. So ist das nun mal, nicht wahr!
Aber ich komme zurecht, weißt Du! Ja – das weißt Du und Du hast es immer gewusst. Du hast mal zu mir gesagt, ich sei so unendlich viel stärker als Du. Das glaube ich nicht, nur vielleicht mutiger dem Leben gegenüber.
Aber auch nicht immer...
Es wird lange noch dauern, bis dieses Leben sich wieder halbwegs normal anfühlt.
Es wird auch noch lange dauern, bis ich wieder vertrauen kann in das Glück, das es mir erhalten bleibt. Im Moment bin ich unendlich misstrauisch und traue mich manchmal gar nicht, wirklich glücklich zu sein, aus Angst, dass das schnell wieder vorbei sein könnte, dass ich wieder die nächste Katastrophe erlebe. Aber mit der Zeit mag auch das wiederkommen.
Wie glücklich war ich, als Du mir geantwortet hast, über jedes vorsichtige Herantasten, jedes Gespräch. Über die Nähe die trotz allem da war, die Vertrautheit. Die Ähnlichkeiten zwischen uns und zwischen Dir und Papa und Jonathan. Dich ansehen zu dürfen, in den Arm zu nehmen, Deine Nähe auch über die Distanz – denn Du warst ja da! Die Freude mit Dir zusammen sein zu dürfen nach all den Jahren..... .
Wie abrupt und grausam das auf einmal zu ende war. Kein letztes Wort, kein Abschied – einfach weg warst und bist Du nun. Und nicht so wie vorher mit der Hoffnung darauf, Dich irgendwann finden zu können – zumindest nicht mehr in diesem irdischen Leben – sondern endgültig und unwiderruflich weg. Du bist so fern wie noch nie in meinem Leben – es hilft nur manchmal mir zu sagen, dass Du in meinem Herzen weiterlebst, weil mir das nicht reicht! - so unerreichbar, so still, so schweigsam.
Und all das macht es mir manchmal schwer zu glauben, dass es irgendetwas in meinem Leben gibt, das gut ausgeht.... .
Und doch mache ich weiter, weil die Hoffnung eben doch zuletzt stirbt. Du hast ein Stück von mir mitgenommen aus diesem Leben, das ich nie wieder bekommen werde. Ein Stück von mir, das wir waren, das im Ich und Du gelebt hat, ist mit Dir gestorben. Diese Lücke in mir ist nicht wieder füllbar, die Wunde wird heilen, aber die Narbe wird ein Leben lang bleiben, bis ich irgendwann auch von dieser Welt gehe. Aber es gibt auch die anderen Teile in mir, die leben, die mit meinen Kindern und Micha, mit Margarete und Heike, mit Ulli, die mir eine Schwester ist und mit allen anderen, die mir in Liebe verbunden sind, fest verwurzelt sind im Hier und Jetzt. Da wo ich hingehöre, wo ich meinen Platz habe und wo ich glücklich sein will. Und werde, Jochen. Das ist mein Versprechen an Dich!
Einer von uns muss dieses Script neu schreiben, muss das durchbrechen, was Dich und andere um uns herum kaputt gemacht hat. Einer von uns muss anfangen, die Dinge zu ändern und dem Ganzen einen Sinn zu geben. Und ich bin trotzig genug genau das tun zu wollen! Ich will, dass es gut wird und es wird gut! Mit allem, das das Leben mir mitgegeben hat, trotz allem, das schwierig und schmerzhaft ist und sein wird! Ich will, dass es ein gutes Ende nimmt – das ist mein Vermächtnis für Dich!
Ich werde dieses Leben leben, den Weg gehen und ich werde ihn bestimmen.
Jetzt muss ich noch ein bisschen Kraft bekommen, ein bisschen auftanken und brauche noch Zeit zum Weinen, Schreiben und Ruhen. Zeit für mich, um herauszufinden, was das ist, das Gute, das es nun zu erreichen gilt.
Ich werde es tun.
Versprochen!
Ich hab Dich lieb, egal wie wütend und enttäuscht ich manchmal bin! Du bist und bleibst mein wunderbarer, bester und liebenswerter Bruder – auch wenn und gerade weil Du nicht daran glauben konntest.
Du wirst noch eine Weile auf mich warten müssen, mein Schatz!
Das zumindest ist jetzt so klar wie noch nie!



Mein wunderbarer Bruder,
es kann sein, dass ich nun keine Briefe mehr an Dich schreiben werde – aber das weiß ich noch nicht! Im Moment fühlt es sich so an, dass ich Dich in meinem Herzen trage und mich dem Leben zuwende. Ich führe Zwiegespräch mit Dir, wann immer ich an Dich denke, aber ich denke, ich habe Dir alles geschrieben, was ich Dir sagen wollte.
Ich bin mir sicher, dass Du irgendwo bist und über mich wachst und ich wünsche mir, dass Du mir zulächelst und ich höre Dich „Du schaffst das Kleene“ sagen!
Und ich lächle zurück und antworte: „Klar, was sonst!“



Ich werde Dich immer lieben!



Deine Kleene

Sonntag, 10. April 2016

So Bruderherz,
es ist viel Zeit vergangen, seit meinen letzten Zeilen....  Ich hatte in der letzte Zeit einfach keine Kraft, zu schreiben... 
Wie sieht es aus..
Ich bin in der Tagesklinik gut aufgehoben, aber ich komme gerade nicht so richtig voran. Ich arbeite daran, aus dem Loch heraus zu kommen, aber es ist so unendlich viel schwieriger, als ich dachte.
So unendlich schmerzhaft...
So unglaublich unerträglich...
Du fehlst mir so und ich kann manchmal kaum aushalten, dass ich Dich nicht anrufen, Dir nicht schreiben kann und dass Du mir nicht mehr antwortest.
Vielleicht wird es tatsächlich besser, wenn ich hier aus Hörde wegkomme und auf der anderen Seite von Dortmund einen neuen Anfang wage....  Es muss besser werden.
In der letzten Zeit hatte ich viel zu oft das Gefühl, es nicht zu schaffen....   . Keine Kraft mehr zu haben - auch wenn ich immer sage, Aufgeben ist nicht meins - ich war mehr als einmal kurz davor.
Ich weiß, dass Du nicht mehr darüber nachdenken konntest, was Du hier hinterlässt, aber das macht es mir nicht leichte. Ich kann auch meistens nicht böse oder wütend auf Dich sein. Ich spüre nur eine unendliche Enttäuschung und Traurigkeit darüber, dass Du diese Entscheidung getroffen hast. Dass Du uns nicht mehr vertraut hast, dass Du nicht geredet hast. Ich bin manchmal genervt davon, dass ich weiß, wir hätten es lösen können. Es wäre kein Problem gewesen. Ich wäre DANN nicht enttäuscht gewesen von Dir, nicht im Mindesten. Ich hätte keine schlechtere Meinung von Dir gehabt und Du hättest die Erfahrung machen können, dass Liebe und Vertrauen tragen, so wie ich das gerade tue.
Weißt Du - ich hätte beinahe den gleichen Fehler gemacht, wie Du.Nicht zu reden, zu denken, ich muss allein damit fertig werden, wenn etwas schief geht, wenn ich etwas nicht geschafft habe, wenn ich mich wie ein Versager fühle...  Und ich war viel zu nahe dran, den gleichen Weg zu wählen - und habe mich entschieden, zu vertrauen. Es ist nicht leicht  zu vertrauen - aber es lohnt sich! Ich habe wieder einmal gelernt, was Liebe und geliebt werden wirklich bedeutet, dass es eben nict bedeutet, dass die Menschen mich wegen meiner Unzulänglichkiten aufgeben, sondern dass es bedeutet, an die Hand und in den Arm genommen zu werden. Dass es bedeutet, unterstützt, verstanden und begleitet zu werden. Dass es mich nicht weniger wert macht, Fehler zu haben, sondern dass es völlig in Ordnung ist. Und dass das einzige, was nicht in Ordnung gewesen wäre, Aufzugeben war!
Es ist nicht in Ordnung, die die man liebt und von denen man so unendlich geliebt wird, in einem solche  Chaos zurück zu lassen - die Menschen haben es nicht verdient!
Ich werde weiter versuchen, mit dem Alleingelassenwerden zurecht zu kommen, irgendwie die Angst wieder loszuwerden und irgendwann wieder positiver in die ZUkunft zu schauen.
Ich will einfach nicht aufgeben.... und ich werde es nicht tun. irgendwann wird es gut sein, es wird besser werden - das sage ich mir jeden Tag. Und auch wenn es sich im Moment noch nicht so anfühlt, muss ich daran glauben, weil ich sonst keine Kraft habe.....
Neulich habe ich den Spruch gelesen "Am Ende ist alles gut, und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende"... So ist es wahrscheinlich! Dein Ende heißt hoffentlich, dass für Dich nun alles gut ist, daran will ich glauben..  Wenn das nicht so wäre, wäre ja alles umsonst gewesen ...
Wenn für Dich nun alles gut ist, dann kann ich lernen Deine Entscheidung anzunehmen - irgendwann und irgendwie wird es möglich sein.....
Jetzt noch nicht...
Das ist es, was für mich bleibt... Dass ich Dich immer genug geliebt habe, immer genug liebe und lieben werde, dass ich möchte, dass es für Dich gut ist. Das soll so sein...
Leider bedeutet es für mich, dass mein Gut ein anderes ist, eins ohne Dich, wieder ohne Dich...  Und egal wie gut ich Dir bin - das nehme ich Dir ein wenig übel - dass ich nun wieder ohne Dich bin, dass ich klar kommen muss ohne Dich - wieder mal! Ich will das nicht müssen und hätte gut ohne diesen Mist gekonnt - ohne Dich kann ich gerade nicht mehr ganz so gut.
Egal was Du wolltest oder nicht, was Du Dir für mich wünschen würdest, Du hast mich aus der Spur geschossen, aus dem Konzept gebracht, innerlich lahm gelegt, vollkommen verwirrt und sehr sehr tief verletzt. Wenn Du das jetzt von irgendwo noch mitbekommst, wie es uns hier geht, dann wird es Dir leid tun - das weiß ich. Aber bitte, ich kann Dir nicht ersparen, das alles zu sagen. So traurig und enttäuscht und sauer wäre ich nicht gewesen, wenn wir Deine Sorgen hätten angehen müssen....  Wenn Du dann noch da wärst, dann wäre alles gut gewesen. Das jetzt, das ist Bockmist mein Lieber - ganz ganz großer Bockmist und auch wenn es mir irgendwann wieder besser gehen wird - Du hast eine Wunde wieder aufgerissen und eine neue geschlagen und zwar eine versdammt tiefe - und ich finde nicht, dass ich das verdient habe...  nach Allem und trotz Allem das jetzt auch noch überstehen zu müssen.
Ach Mann....
Ich muss auch wütend sein können auf Dich...
und ich muss auch manchmal in mir drin fragen dürfen wie konntest Du nur!

Ich bin so traurig.....
Und ich hab Dich lieb!

Sonntag, 28. Februar 2016

Liebster Bruder!                                                                                                                           28.02.16



Heute ist so ein Tag, weißt Du!
So ein Tag, an dem ich denke, ich müsste Dich mal wieder anrufen, mit Dir reden, Deine Stimme hören. Ein Tag, an dem ich es gut gebrauchen könnte, Dein „ach Kleene, das wird schon, wir haben ja uns!“ zu hören.
Aber ich höre Deine Stimme nur noch in meinem Kopf, kann mit Dir reden, ohne eine Antwort zu erwarten, schreibe Dir in dem Wissen, dass es mich vielleicht ein wenig entlastet, aber Du mir nicht mehr zurückschreiben wirst...
Es tut weh! Mehr, als ich aushalten möchte.
Ich will nicht, verstehst Du! Ich will, dass es wieder so ist, wie vorher.
Heute kann ich auch nicht denken, dass ich Dich verstehe, dass ich weiß, dass Du erlöst bist von Deiner Trauer und Verzweiflung.
Da, wo Deine Trauer aufhört, Deine Verzweiflung getröstet ist, Deine Einsamkeit ein Ende hat, fängt meine an.
Fast fünf Jahre hat mich genau der Gedanke getröstet, dass wir uns ja nun haben, dass wir nichts ändern können, was war, aber dass wir es nun besser machen können, was kommt.
Verdammt noch mal, Du hast es mir versprochen, dass wir uns nun haben, dass wir das schaffen zusammen. Ich habe Dir vertraut, habe Hoffnung gehabt, dass wenigstens ein wenig Ruhe und Heilung möglich wird,.
Ich wollte gar nicht viel, weißt Du, einfach ein bisschen Frieden und Ruhe und Zukunft.
Das will ich immer noch, will nach vorne sehen.
Die Vorzeichen haben sich geändert.
Scheiße! Schöner kann ich es nicht ausdrücken.
Weißt Du, ich will davon ausgehen, dass Du das natürlich so nicht gewollt hast, aber bitte, was hast Du denn gedacht? Dass es uns ohne Dich besser geht? Dass wir vor Enttäuschung darüber, dass Du Sachen nicht geschafft hast, uns von Dir abwenden, Dich damit allein lassen? Dass wir Dich wegen so einem Blödsinn nicht mehr lieben könnten?
Dass wir froh sind, uns mit Deinen Sorgen nicht abgeben zu müssen?
Natürlich hast Du nicht darüber nachgedacht, dass das, was jetzt kommt viel schlimmer ist, als das was wir hätten mit Dir bewältigen müssen und WOLLEN.
Das jetzt will ich nicht! Alles andere ist doch Kleinkram gegen das, was wir jetzt hier durchstehen müssen. Was ich aushalten soll.
Aber wahrscheinlich geht es in so einer Situation gar nicht um die anderen. Es geht um Dich, nicht wahr. Dass Du es nicht aushalten konntest ein Scheitern einzugestehen. Weil Du vor uns allen verbergen wolltest, was bei Dir los ist, wie schlecht es Dir eigentlich geht. Weil Du lieber, der Papabär sein wolltest, der für alle da ist, der für alle managt, der allen hilft, immer ein Lächeln im Gesicht, immer eine helfende Hand, immer ein offenes Ohr, alles – nur nicht bei Dir selbst sein, von Dir selbst ablenken. Eigene Probleme in die Ablage, weggelegt, ausgeblendet, verdrängt, bis sie so groß sind, dass sie Dir über den Kopf gewachsen sind – zumindest gefühlt...
Nee, sag nichts...
Ich kenn Dich besser als Dir lieb ist!
Woher?
Weil ich mich selbst kenne.
Weil ich genau so bin.
Weil ich auch immer wieder große Mühe habe, Zugang zu mir zu finden.
Weil es vermeintlich einfacher ist, als sich mit sich selbst auseinander zu setzen.
Das Kümmern.
Weil man dafür Wertschätzung erfährt, Liebe, Beifall, Anerkennung.
Weil es so gut tut und einem das Gefühl gibt, trotz Allem etwas Wert zu sein.
Weil wir gelernt haben, dass geliebt zu werden seinen Preis hat und weil wir so dringend auf die Liebe anderer angewiesen sind. Weil wir uns selbst so wenig nahe sind, so wenig lieben können, so wenig glauben können, dass wir auch mit unseren Unzulänglichkeiten liebenswert sind, genug sind. Dass unsere Probleme und Fehler, unsere Schwäche nicht automatisch bedeutet, dass Liebe aufhört!
Wie leicht es mir fällt, das Dir zu sagen, was mir selbst so schwer fällt – Vertrauen haben ist der Schlüssel. Vertrauen in uns selbst und in den anderen.
Wie oft habe ich das zu Dir gesagt.
Du hattest nicht das Vertrauen, nicht die Zuversicht.
Ich gerade auch oft nicht.
Es ist so – Du hast mir ein wenig meines Vertrauens und meiner Zuversicht geraubt mit Deiner Entscheidung, zu gehen.
Es hat mich wieder zurück katapultiert in das Gefühl, nicht genug zu sein, nicht wert genug zu sein, dass Menschen, die ich liebe, die zu mir gehören, mich nicht verlassen. Dass ich genug bin, um mich zu lieben.
Es tut so unendlich weh, dass Du nicht mehr da bist. Dass Du mich verlassen hast. Wissentlich, absichtlich, vorsätzlich. Dieses Mal haben sie Dich nicht mir weggenommen – DU hast Dich mir weggenommen!
Es ist schwer, dass zu akzeptieren. Schwer, mir klar zu machen, dass es eine Entscheidung für Dich war und nicht gegen mich. Weil ich nun mal jetzt hier bin und mit dieser Entscheidung leben muss.Auch wenn Du es FÜR Dich entschieden hast, hat es ja etwas mit mir zu tun – und ich kann mir hunderttausend Mal sagen, dass Du das nicht getan hast, um mich und uns zu verlassen, sondern um, Dich verlassen zu können, alles das, was Du mit Dir nicht aushalten konntest. Aber ich bin nun mal Teil auch Deines Lebens gewesen so wie Du Teil meines warst und immer bleiben wirst. Und es fällt mir schwer, Deine Entscheidung nicht auf mich zu beziehen. Nicht persönlich zu nehmen.
Sie ist persönlich.
Ist so.
Ich würde so gern mit Dir reden können.
Von Dir hören, dass Du mich lieb hast, dass es Dir gut geht.
Ach Kleene hören... was würde ich dafür geben.
Ach Kleene ist tröstlich.
Ach Kleene bedeutet, ich bin Dein großer Bruder und ich bin da!
Bedeutet ich hab Dich lieb. Bedeutet Du bist meine kleine Schwester und ich bin gern Dein großer Bruder.
Bedeutet Verbundenheit und Vertrauen und Nähe!
Das fehlt mir so! Mehr, als ich Worte dafür finden kann.
Ich kann mich an der Erinnerung fest halten, dass es das alles bedeutet hat. Dass es das immer bedeutet hat und dass es gut war, dass wir uns wenigstens die Zeit hatten.
Aber eine Erinnerung zu haben bedeutet auch, dass es vorbei ist.
Ich werde lernen müssen, zu akzeptieren. Die Erinnerung zu meiner Seelennahrung zu machen. Das Gute festzuhalten und die Trauer nun zu leben und dann loszulassen.
Das muss ich tun, damit ich wieder in ein Leben starten kann, das Perspektiven hat. Neue und gute Perspektiven.
Ich muss lernen, damit zu leben und nicht nur zurück zu schauen, nicht immer zu denken, was hätte sein können, sondern an das zu denken, was kommen kann.
Und nicht immer auf die nächste Katastrophe zu warten – das fällt mir am allerschwersten gerade. Positiv denken ist gerade schwierig – ich muss es wie ein Mantra immer wieder wiederholen – ja es wird trotz Allem noch gut werden. Es kann Neues anfangen und ich werde lernen, damit zu leben, es zu akzeptieren und werde auch wieder froh sein können.
Dein Tod ist nicht das einzige, was ich gerade lerne zu akzeptieren, aber ohne wären die anderen Dinge ein bisschen leichter gewesen. Die vielen anderen Dinge, die ich annehmen soll wären mit „ach Kleene“ leichter zu ertragen.
Ich werde das schaffen.
Ich gehe seit Montag wieder in die Tagesklinik und so anstrengend das auch sein mag – ich denke ich werde dort den Raum haben, zu lernen. In meinem Tempo.
Ach Bruderherz.
Warum ist manchmal Alles so schwierig?
Ich habe Dich so unendlich lieb!
Es tut weh!


Ich bin so unendlich traurig und allein manchmal!


Allein in mir drin.....
Wie früher.
Ich hatte ich gerade daran gewöhnt, dass es Dich wirklich gibt....
Jetzt muss ich mich wieder daran gewöhnen, dass Du nicht mehr da bist.
Und das fällt mir so viel schwerer jetzt, wo ich Dich hatte.
Du warst immer so ein wunderbarer Bruder!
Hat man eigentlich irgendwann keine Tränen mehr?
Oder hört dann die Hoffnung endgültig auf?
Ich weiß es nicht......

Samstag, 20. Februar 2016

Bruderherz,                                                                                                                                   20.02.16



ich bin ratlos.....
Ich denke hin und her und komme nicht zur Ruhe.
Es ist, als ob ich erst jetzt nach und nach begreifen kann, dass es endgültig und wirklich ist. Kann ich es begreifen? Nein, so sehr ich mich an deinen letzten Anblick erinnere, Deine kalte Hand unter meiner spüre, immer noch, ich will es einfach nicht begreifen. Ich will nicht hinnehmen. Ich kann diese Endgültigkeit nicht ertragen.
Es wird nicht erträglicher mit der Zeit, nur wirklicher.
Und weißt Du was! Ich möchte mich wie ein trotziges Kind hinwerfen oder mit dem Fuß aufstampfen und brüllen „will nicht will nicht will nicht!!!!!“



Ich bin nicht bereit, das weiter mitzumachen.
Das habe ich nicht verdient, verstehst Du! Ich habe nicht verdient verlassen und vergessen zu werden, zurückgelassen und traurig und allein. Diese Erfahrung habe ich seit meiner Geburt nun ausgiebig gemacht, verstehst Du!
Ich werde nicht hinnehmen, dass sich diese Verlustangst wieder in mir festsetzt. Weißt Du, dass ich panisch werde, wenn die hier das Haus verlasse, wenn ich einen Tag nichts von Hannah gehört habe, wenn Jonathan sich nicht meldet? Menschenmengen machen mich unruhig und ich sehe überall Dinge lauern. Ich bin permanent auf Halbacht. Selbst in der Nacht im Schlaf finde ich keine Ruhe und träume, dass ich suche. Menschen, die ich liebe, die Kinder, Micha, Dich!
Nach außen bin ich völlig ruhig, wirke fast gelassen. Aber weißt Du, ich bin nicht gelassen, ich bin auf Anschlag geladen. Kurz vor dem Platzen auf der einen Seite, teilnahmslos und gleichgültig auf der anderen.
Ich will das so nicht mehr! Ich will dass es anders wird.
Nicht dauernd auf irgendwas reagieren, durchhalten, wieder und wieder aufrappeln und einen neuen Weg suchen.
Nicht etwa, weil der alte Weg nur schlecht gewesen wäre.
Nein, weil andere Menschen beschließen, dass dieser Weg an dieser oder jener Stelle beendet ist.
Ich komm mir vor wie auf Schienen und irgendwer stellt die Weichen grundsätzlich ohne mein Mitwirken und ohne mich zu fragen und ich wechsle die Richtung und muss immer wieder sehen, wie ich damit zurecht komme. Und ich kann noch nicht mal an irgendeiner Stelle sagen, Moment, halt mal an, lass uns die Richtung noch mal besprechen.
Ich schlage brav jedesmal eine neue Richtung ein, was bleibt mir anderes übrig?
Versteh das nicht falsch, ich bin nicht sauer... ich bin stinkwütend auf dieses Leben.
Natürlich gibt es auch so viel Gutes in meinem Leben.
Und bis vor fast genau drei Monaten war ein Teil dessen, dass es gut wird und besser läuft, dass wir beide uns wieder hatten....
Ich bin auch nach wie vor in erster Linie nicht sauer auf Dich.
Das, was du entschieden hast war konsequent und wenn ich ganz ehrlich bin auch nicht so sehr verwunderlich.... Dich hat dieses Leben auch nicht gefragt, ob Du das Alles so wolltest und ob das Alles gut und richtig für Dich war. Letztendlich war es wahrscheinlich die erste wirklich konsequente „nur für Dich Entscheidung“ . Ich weiß kein Wort dafür.... Ich habe das Gefühl, dass Du an dieser Stelle, in Deinem Badezimmer, so allein wie Du zu sein dachtest, zum allerersten Mal wirklich nur an Dich gedacht und nur für Dich entschieden hast.
Hätte ich gewollt, dass Du das nicht tust? Finde ich, dass Du da mehr Rücksicht hättest nehmen sollen?
Nein, das denke ich nicht! Auch wenn ich natürlich die Entscheidung nie gut heißen werde, ist es trotzdem Deine. Aus Rücksicht oder Mitleid von Dir zu verlangen, Dein Leid zu verlängern? Nein – das auf keinen Fall.
Aber Du weißt natürlich, dass ein Teil von mir aufbegehrt. Der Teil, der schreit und tobt:“ Wir hätten eine Lösung gefunden hier und gemeinsam, miteinander! Du hättest nicht einsam und traurig in Deinem kleinen Bad sterben müssen. Nicht sollen! Natürlich denke ich das. Und wie unnötig das Alles doch eigentlich war und ist.!“
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wie das geschafft hätten.
Hätte hätte Fahrradkette.
Aber vielleicht ist das eben der entscheidende Unterschied zwischen uns beiden, was Bruderherz!
Ich laber mir die Seele raus und diskutiere und texte alle zu, die mir zur Verfügung stehen. Du ja eher nicht so und auch wenn Du es nicht gern hörst, da bist Du wie in vielen vielen anderen Dingen unserem Vater so ähnlich! Und ihr habt, wenn man das genauer ansieht, beide die Flucht gewählt... Du nur sehr viel direkter und entschiedener... die Abkürzung sozusagen....



Weißt Du, ich verstehe Dich besser, als Du vielleicht annehmen würdest. Oder vielleicht hast Du das auch gewusst. Es wäre schön, wenn Du in dem Vertrauen gegangen wärst, dass ich Dich verstehe. Ich fühle viele Dinge wie Du und finde das Leben im Moment auch unerträglich dunkel. Dunkler, als ich das manchmal ertragen kann. Aber mein Kampf ist noch nicht zuende. Ich glaube, dass Du auch gekämpft hast und ich weiß, dass Deine Entscheidung nicht leichtfertig war. Du hast es Dir sicher nicht leicht gemacht. Das schmerzt ich eigentlich am allermeisten. Dass es für Dich so schwer war und wir alle nichts, gar nichts tun konnten. Dass Du Dich so einsam gefühlt haben musst, tut mir weh. Ich spüre Deine Verzweiflung und Einsamkeit auch, es tut mir leid und weh, dass es nichts gab, was es Dir hätte leichter machen können. Für Dich, in Deiner Wahrnehmung nichts....
Mein Weg geht weiter.
Ich werde irgendwann damit zurecht kommen, dass es so ist.
Mit den Menschen, die uns das angetan haben, die Dich und mich so zerbrochen haben, kann ich keinen Kontakt mehr ertragen.. Ich verweigere es einfach. Ich weiß, ich will einen Schuldigen – ich finde zwei, die noch leben und die nun damit leben müssen, dass ich unversöhnlich bin. Ich kann das Mitgefühl der einen, das immer einhergeht mit „aber ich will nicht Schuld sein, ich wollte nur das Beste...“ und die Trauer der anderen, die sich versucht hat an mich zu klammern und nun damit leben muss, dass sie nach 47 Jahren Mutterseinsverweigerung nun auch keine Tochter hat, nicht ertragen.
Ich möchte ihnen beiden meine Wut ins Gesicht spucken.
Es ist mir im Moment einfach egal, was mit ihnen wird..... Sollen sie dran ersticken.....
Das ist hart, aber der einzige Weg, irgendwie damit weiter zu leben.
Manchmal denke ich auch, ich hätte Dich einfach in Ruhe lassen und nicht den Kontakt mit Dir suchen sollen, vielleicht wärst Du dann mit Deiner Strategie des „besser nicht drüber reden“ besser zurecht gekommen. Zumindest habe ich Dich nicht darin bestärkt... Aber wenn ich mir Papa ansehe, dann scheint mir das auch kein Weg zu sein. Die Seele sucht sich ihr Ventil – und bei Papa ist es im Alkoholismus geendet.. Auch ne Form des Aussteigens, nicht wahr!
Nein eigentlich glaube ich, dass es ein Geschenk für uns beide war, dass wir uns wenigstens noch die kurze Zeit hatten.
Manchmal habe ich eine solche Sehnsucht danach, dass Du mich in den Arm nimmst und mir das bestätigst.. das würde mir das Alles so viel leichter machen. Zu wissen, dass ich ein bisschen Licht in Deiner Welt war, so wie Du in meiner. Du wirst dieses Licht immer bleiben und ich bin so dankbar, dass ich Dich hatte!
Ich werde also weiter gehen. Mein Weg wird in Gutes führen, der Kampf ist noch nicht zuende! Ich suche mir den Weg, das weiß ich und auch wenn ich es mir im Moment nicht vorstellen kann, wird es irgendwann wieder gut sein.
Es wird wieder heller werden.
Und die vielen Schatten auf meiner Seele werden nie weg sein, es gibt Wunden, die heilen, aber die Narben tun weh.
Ich habe letztes Jahr neue Wunden dazu bekommen, die haben leider dazu geführt, dass alte Narben wieder aufgegangen sind oder erneut enorm schmerzen. Sie sind nah beieinander die alten Wunden und die neue.
Aber mit Narben kenn ich mich aus und ich werde das schon schaffen.
Ich vertraue da drauf.
Nächste Woche fange ich wieder in der Tagesklinik an... Dinge, die dabei waren zu heilen, müssen neu geflickt werden...
Du meine Güte...
Nimmt das wohl mal ein Ende?
Ich hoffe immer noch..
Wie immer...
Immer weiter und immer wieder....
Spreche mir Mut zu...
Raffe mich auf...
Halte aus und halte durch!
Aufgeben war noch nie eine meiner Stärken!



Ich hab Dich lieb mein Großer!
Genau so wie immer - mein Leben lang – die letzten Jahre – für immer!


Montag, 11. Januar 2016

Liebster Bruder,                                                                                                    11.01.2016

das neue Jahr hat angefangen und es ist ein Jahr ohne Dich ....  wie viele viele Jahre zuvor auch schon. Es ist schon fast acht Wochen her, dass Du uns verlassen hast und dahin vor gegangen bist, wo wir Dir erst später folgen werden.
Acht Wochen, die viel verändert haben, obwohl so Vieles gleich geblieben ist.
Weißt Du, es ist immer noch nicht einfach, daran zu denken, dass Du nicht mehr bei uns bist. Es tut immer noch weh und von Zeit zu Zeit überkommt es mich und uns hier und wir beweinen das Unabänderliche!
Ich hatte in den letzten Wichen viel Zeit zum Nachdenken und mir ist Vieles so viel klarer geworden von dem, das Dich von uns weg in die Ewigkeit getrieben hat!
Ich habe in der Rückschau das Gefühl, dass die Unabänderlichkeit dessen, dass Du nie die Gelegenheit haben wirst, mit Papa zu reden und Dich mit ihm auseinanderzusetzen, Dich letztendlich zerschmettert hat. Ich sehe Dich an Papas Grab stehen und weinen und ich weine mit Dir um den Verlust! Wir Beide haben viel verloren, das uns nie jemand wieder geben kann. So wie ich nicht weiß, wie es sich anfühlt, von einer Mutter wirklich und aufrichtig um meiner selbst Willen geliebt zu werden, so hast Du dieses Gefühl nie von einem Vater gekannt. Wir beide haben unter den Umständen gelitten, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind und waren. So großartige Menschen mit gebrochener Seele. Engel mit gebrochenen Flügeln. Wir sind beide aufgestanden und haben es versucht. Nur mit einem großen Unterschied - ich kann mich auseinandersetzen, kann mich abgrenzen und kann Tacheles reden - etwas, das Du in Deinem nahen Umfeld nur schwer konntest. Du hast an vielen Stellen versucht, zu vergessen - aber mein liebster Bruder - unsere Seele vergisst nie und vergibt nur selten, wenn wir nicht gut für uns sorgen! Und für uns zu sorgen haben wir beide nicht so drauf, was!
Letztendlich ist es nicht mehr wichtig, warum Du gegangen bist. Es sind viele Gründe und an keinem kann ich etwas ändern, ich habe sie nicht verursacht!
Aber bei mir ist etwas Entscheidendes passiert, das ich Dir unbedingt erzählen muss. Unfassbar und nicht zu begreifen auf den ersten Blick und auf den zweiten Blick so logisch!
Ich habe das Gefühl, wenn ich Dir schreibe, dann schaust Du mir über die Schulter und lächelst. Viel erzählen und sagen haben wir drauf, nicht wahr - so ähnlich sind wir uns mein Lieber!
Also - was ich Dir erzählen muss...
bei mir ist etwas passiert, mit dem ich nicht gerechnet habe.
Ich hatte mich so damit abgefunden, Borderlinerin zu sein, dieses Grenzgehen hatte ich perfektioniert - und dann - ja wie sagt ich das, ohne dass es sich vollkommen merkwürdig anhört?
Ach, was soll`s..
Ich habe seit einigen Wochen, seit Deinem Tod, das Gefühl, als wäre ich aus der Käseglocke ausgetreten, die mich immer umgeben hat. Ich bin klar in meiner Umgebung, nehme mich als Teil von ihr wahr. Fühle mich - und fühle mich wohl dabei. Es ist nicht dieses verzweifelte "Mich-Spüren-Wollen", das ich immer hatte. Das Gefühl, das ich nur durch Skills auslösen konnte, das etwas mit Essen oder Schmerz zu tun hatte - oder mit Beidem.
Es ist weg - nee es ist da - das ist richtig. ICH BIN DA! Ich spüre mich in meiner Umgebung, in mir selbst, bin mir meiner selbst bewusst - und das, was ich da sehe ist nicht schlimm, wie ich immer dachte. Ich find mich ganz cool eigentlich und die Fehler, die ich entdecke wäge ich ab nach "ganz charmant und witzig" und "ändern bitte". Ich habe nicht mehr das Gefühl, völlig falsch zu sein, nicht mehr überflüssig und klein. Ich schaue mich an und entdecke Stärken und Gutes und alles was sonst zu einem Menschen gehört. Macken und Eigenheiten, die eben meine sind.
Es ist, als hätte dieses erneute Trauma des Verlustes das ausgelöst. Das erneute darauf Zurückgeworfen-sein, nur dieses Mal als Erwachsene, die erfassen kann, dass dein freiwilliger Tod keine Zurückweisung an mich ist - zumindest nicht so gemeint, wenn auch gefühlt irgendwie schon manchmal genau das! -, sondern eine Entscheidung, die Dein Leben und Dein Wollen betrifft, aus dem ich in letzter Konsequenz ausgeschlossen bin. Weil ich nur mein Leben leben kann mit gemeinsamen Anteilen mit Dir, aber nie verschmolzen. Dein Gehen hat in erster Linie etwas mit Dir zu tun, nicht mit mir. Und so war es damals auch - Dein Weggehen war sowieso nicht freiwillig, aber IHR Weggehen hatte auch nur sekundär etwas mit mir zu tun, weil die Belastung in dieser Beziehung mit noch nem Kind nicht machbar war. Es gab damals eine Entscheidung, die nicht zu meinen Gunsten, aber nie gegen mich als Person gerichtet war - so wie heute eben auch.
Natürlich kann man jetzt einwerfen, dass es natürlich trotzdem die gleichen Konsequenzen hat - nämlich verlassen zu sein und damit zurecht zu kommen.
Aber das stimmt nur teilweise.
Auf der rein lebenspraktischen Ebene ist es so. Ja ich bin allein gelassen . wieder mal und endgültig und das tut verdammt weh und ist an vielen Stellen nicht gut zu ertragen. Ich fühle mich verraten und verlassen, übrig geblieben und einsam, zutiefst einsam!
Auf der emotionalen und psychologischen Ebene ist es dennoch nicht als Zurückweisung an meine Person gemeint. Damals nicht - ich war nicht durch meine Persönlichkeit eine Bedrohung, sondern durch meine reine Anwesenheit. Eine reale und erdrückende Bedrohung offensichtlich - eine, vor der man auch als Mutter nur fliehen kann, weil man sonst - ja was? Angst hat kaputt zu gehen? Zu viel einzubüßen? Freiheit zu verlieren?
Letztendlich kann ich das nicht entscheiden, ich weiß nur, dass es zu der Zeit sicherlich nicht einfach gewesen wäre, alleinerziehend mit zwei Kindern zu sein - zumal wenn man als Mutter nicht begreift, dass das eigene Kind nicht eine Bedrohung der Person, sondern IMMER eine Bereicherung darstellt.
Was hätte sie mit uns und an uns wachsen können, wenn sie es nur gewollt hätte und ja das sage ich so, wenn sie nicht so unglaublich egozentrisch wäre.
So hat sie diesen Lern- und Erfahrungsschatz bis heute verweigert und begreift gar nichts - und in dem Maß, in dem das so ist, hat es nichts mehr mit mir als Person zu tun!
Genauso ist es mit Dir. Ich liebe Dich wirklich unendlich - schon immer und lange bevor wir uns kannten und für immer bis wir uns wieder sehen, da wo Du schon bist.
Auch Du hast in Deiner Verzweiflung und Einsamkeit und Dunkelheit eine unendlich egoistische Entscheidung getroffen. Ja das ist so und das ist zwar auch ok so - aber eben auch nicht nur.
Aber Du hast diese Entscheidung nicht gegen mich oder Ulli oder irgendwen anders getroffen. Vielleicht ein ganz kleines bisschen als Strafe für die, die so uneinsichtig in Deinem Leben herumgetrampelt ist - aber das vermag ich nicht zu behaupten. Nur vorsichtig vermuten - das ja!
Du hast eine Entscheidung FÜR Dich getroffen, die uns alle betrifft, deren unmittelbare Auslöser wir aber nicht sind und waren.
So hast Du ein Stück weit durch die neue und Re - Traumatisierung ein Stück Heilung in mir ausgelöst. Was für ein hoher Preis ist das, den ich da zahlen muss. Damit muss ich fertig werden. Ich habe mich aber auch nicht vernünftig ausgedrückt, als ich gesagt habe, dass ich ALLES dafür geben würde, mich spüren zu können und ein gesundes Verhältnis zu mir zu bekommen. DAS habe ich ganz sicher nie gemeint und darauf hätte ich auch verzichten können!
Aber so ist das nun mal!
Hat mal einer gesagt, achte, was Du Dir wünscht, es könnte Dir erfüllt werden.
Scheißspiel, glaubste!
Ich habe mir Heilung gewünscht, aber das mit dem Preis, den ich bereit bin zu zahlen???   Bin ich hier im Faust oder wo?
Ach Bruderherz.
Aber ich will mich an diesem Gedanken auch nicht so festdenken. Zumal ich ja nicht Dr. Faust bin und keinem Teufel irgendwas versprochen hätte. Wie sollte ich auch! Aber wenn man über sowas ernsthaft nachdenkt, ist die nächste Störung nicht weit und letztendlich nutzt es ja auch keinem, wenn ich Schuldgefühle wegen Dingen habe, die ich weder in der Hand hatte, noch getan, noch ausgelöst!
Besser nicht!
Aber ich glaube Du verstehst sowieso, was ich meine. Das hast Du in den letzten vier Jahren immer getan.
Ich glaube manchmal hat es Dich erschreckt und aufgescheucht, dass ich so forsch alles beim Namen nenne und nicht drum herum rede. Dass ich den Dingen ins Gesicht sehe und so lange prokel und krame und wüte, bis ich verstanden und gelöst habe oder einen Weg finde, die Dinge für mich begreifbar und akzeptierbar zu machen.
Du wolltest lieber ruhen  lassen und vergessen.
Aber das ist und war nicht mein Weg.
Und ich glaube auch, dass Dein Weg nicht der günstigste für Dich war - da kann ich nicht aus meiner Haut.
Ich glaube manchmal, dass es Dir auch schlechter gegangen ist, weil alles wieder hoch gespült worden ist, als ich mit meinen vielen Fragen und meiner stürmischen Art und meiner immer bedingungslosen Schwesterliebe in Dein Leben gepoltert bin.
Aber weißt Du, was ich oben schon gesagt habe - unsere Seele vergisst sowieso nicht. Wenn es nicht durch mich oder mit mir hochgespült wäre, dann an anderer Stelle und mit anderem Anlass. Dein Vergessenwollen war nicht das, was Du wolltest, dass es ist. Ruhe finden und Heilung. Ich glaube - und das habe ich Dir nicht nur ein Mal gesagt, dass es immer eine trügerische und tückische Ruhe war. Ich sehe dem Feind lieber ins Gesicht - mal sehen, ob die Taktik, die ich als die meine erkannt habe, auch wirklich funktioniert.
Am Schluss werden wir es wissen.
Vielleicht irre auch ich mich und vergessen und wegsperren ist die richtigere Entscheidung......
Ich kanns nicht wissen - Du weißt es und kannst es mir nicht sagen.
Warte auf mich und hol mich ab, wenn es so weit ist - und vergiss nicht, nen vernünftigen Kaffee zu kochen - wie Du siehst, werde ich auch, wenn ich in etlichen Jahren bei Dir da auftauche, noch unglaublich viel Redebedarf haben...
Ich hab Dich lieb!


Statement!

In einem Land, in dem Menschen sich weigern, der eigenen Vergangenheit wenigstens die Verantwortung zum Lernen abzuringen, in dem die Shoa geleugnet wird, in dem Menschen sich nachhaltig weigern, die richtigen Schlüsse aus Vergangenem zu ziehen, fühlen sich männliche Vertriebene genötigt sich wegen ihrer reaktionären und sexistischen und gewaltbereiten Mitmänner zu entschuldigen und fremdzuschämen - in einem Land, das selbst an sexistischen Botschaften in den Medien und in der Werbung kaum zu überbieten ist, in dem Vergewaltigung ob ehelich oder nicht mit lapidaren Strafen bedroht ist - wohingegen die Opfer von sexualisierter Gewalt lebenslänglich haben.... und zwar egal, von wem sie ausgeht...  Und die Reaktion darauf, dass Frauen sich gegen die Generalverdachte stellen sind spannend:

"1. Das habt ihr nun davon
2. du machst nurs Maul auf, weil es nicht dich und deine Töchter getroffen hat
3. dann hoffen wir mal, dass es das nächste mal dich trifft du Gutmenschenschlampe
4. das war ja klar, dass sich hier dann wieder die rothaarigen, fetten frustrierten - by the way? meinte der sexuell frustriert? Das soll er mal meinem Lieblingsmenschen erzählen - also wirklich - das issn Witz! - Gutmenschentussis zu Wort melden
5. Ein Bild mit einer Politikerin, auf dem steht: Ach wär ich doch nach Köln gefahren! "
usw usw usw.....

DANKE liebe Männer und Frauen Kartoffelnasen für dieses überaus beeindruckende Beispiel an Reflexion, argumentativer Stichhaltigkeit, Antisexismus und Feminismus - da können sich die Flüchtlinge ja mal ne Scheibe von abschneiden....

...... IRONIE OFF........

DAS ist mein Kommentar dazu:
Wir Frauen dürfen doch froh sein, wenn das, was uns da misshandelt ein aufrechter deutscher Schwanz ist... Wenn das ein ausländischer wäre, wär doch bäh... Diese ganze Diskussion ist widerwärtig und verlogen...  das läuft nach dem Motto"Finger weg von unseren Frauen" ... Da geht es nicht um uns Frauen und um unsere Rechte oder so.. Das ist vorsteinzeitliches Clangehabe der oh so fortschrittlichen Pegidahonks, die sich ja soooooooooooooo sehr von den patriarchalen arabisch- oder sonstwiestämmigen Männer...unterscheiden????? Die Kartoffelnasen fühlen ihre männliche Ehre in Gefahr...nicht etwa die unsere... Mein Land meine Frauen meine Kinder usw....
Und die Juden haben Brunnen vergiftet und Hexen Kinder gefressen... Und und und.... Irgendwie scheint jede Epoche irgendwelche Randgruppen als Sündenbock zu brauchen... Je vehementer eine Gesellschaft Werte gegen vermeintliche"Feinde" verteidigen muss, desto mehr liegt bei ihr im Argen... Eine in sich stabile Gesellschaftsform hat so was nicht nötig!!!!(mich selbst zitiert in einem anderen Chat"). Ich bin auf jeden Fall gegen einen Generalverdacht - weder bei Flüchtenden noch bei Männern an sich und im Einzelnen - hört auf, Euch fremdzuschämen und zu entschuldigen - auch wenn ich es eine rührende Geste finde, ist es nicht zielführend. Es bedeutet letztendlich sich dem Generalverdacht zu unterwerfen. Geht selbstbewusst auf die Straßen dieses Landes Männer und Frauen. Redet miteinander und weist sie in die Schranken - egal woher sie kommen - die Frauen nicht mit dem nötigen Respekt behandeln, die sie begrapschen, verbal ausfallen werden, sie als ihr Eigentum betrachten, sie mit sexistischen Botschaften kränken - weist sie in die Schranken, die ihre Hasstiraden auf die Straßen dieses Landes speien - zeigen wir ihnen zusammen, dass es sich lohnt, einander kennen zu lernen - Frauen und Männer, Große und Kleine, Dicke und Dünne, Braune und Gelbe, Deutsche und SyrerInnen und AfrikanerInnen und ChinesInnen und DänInnen und und und und woher Ihr auch kommz. Lasst uns gemeinsam die Hoffnung leben, die Zuversicht, die Menschlichkeit, den Respekt, eben alles, was Menschen gebührt!
Wer hat doch gesagt: Die Geschichte lehrt uns, dass die Geschichte und nichts lehrt!" - egal von wem - richtig isses in jedem verdammten Fall, wenn wir nicht handeln!

Schönen Gruß auch!

Sonntag, 27. Dezember 2015

Liebstes Bruderherz,                                                                                                                     27.12.15

jetzt sind es schon fast fünf Wochen ohne Dich!
Fünf Wochen sind nicht viel und dennoch scheint es, als wäre es eine Ewigkeit....

Noch immer muss ich den Impuls unterdrücken, Dir Nachrichten zu schreiben... Ich rufe Deine Seite auf und schaue, was es Neues gibt – letzter Eintrag am 23ten November – dem Abend vorher... danach kein Lebenszeichen mehr – meine Nachricht hast Du schon nicht mehr gelesen.

Wie erwartet und wie unangemessen ist das Leben einfach weiter gegangen. Die Tage kommen und gehen und auch Weihnachten haben wir überstanden. Es war kein frohes Fest dieses Jahr – schön dennoch auch mit den Kindern und mit Micha und mit der Wahlverwandtschaft.
Schön irgendwie, weil ich abgelenkt war und weil ich genug Medikamente nehme, um das aushalten zu können.

Aber dennoch...
Jede verdammte Nacht werde ich wach und frage mich, was ich hätte tun können, was ich versäumt habe. Ich liege da, die Stunden verrinnen, ich schaue in den Himmel über mir und – ja was eigentlich?
Ich kann nicht mehr weinen, ich möchte schreien.. das Leben anschreien, es möge endlich mal aufhören, mir immerzu neue Aufgaben aufzubürden.
Meine Trauer herausschreien, meine Wut, meine Verzweiflung, mein Verlassen sein.
Aber ich liege still da und lausche auf die Geräusche der Nacht. Ich schreie nicht, ich bin still, ich harre aus und warte, dass die Nacht herum geht oder ich gnädigerweise wieder einschlafen kann.
Bis ein weiterer Tag kommt, den ich erst einmal nur überstehen will. Mehr im Moment noch nicht. Nur von einem Tag zum nächsten schaffen und dann weiter sehen.
Ich lausche in mich hinein.
Die alten Gefühle sind wieder da – anders auch, weil es jetzt eine Zeit vor Dir, eine mit Dir und eine ohne Dich gibt. Eine Zeit des Suchens, des Findens und nun des Loslassens.

Ich muss Dich los lassen, gehen lassen und dabei in meinem Herzen festhalten. Ich muss ihn zulassen den Gedanken, dass nach so kurzer Zeit schon wieder eine neue Zeit gekommen ist. Dass ich keine Zeit habe, mit Dir zu verschnaufen.....

Du hast beschlossen, zu gehen und uns hier zurückzulassen. Das ist so und das ist unverrückbar. Es gibt kein Zurück mehr, kein nochmal versuchen – Du bist fort und wir sind hier – ohne Dich, mit wieder einer neuen Wunde und einer alten wieder aufgerissenen – so ist das – wieder mal!

Wieder mal nicht daran zu zerbrechen ist schon echt ein Job, mein Lieber – aber wie immer werde ich auch das schaffen! Wir alle werden es schaffen...

Weißt Du – ich bin es langsam echt leid, dass ich immer ausbaden soll, was Andere in meinem Leben so anrichten. Ich muss hier nicht nur meine Trauer aushalten, auch die der Kinder muss ich abfangen und für sie erträglicher machen. Ich muss den Beiden erklären, dass auch ihre Liebe nicht gereicht hat, Dich zu halten. Kannst Du mir mal erklären, bitte, was dafür die richtigen Worte sind?
Oder wie ich hier Alltag gestalte, wenn sich nichts mehr alltäglich anfühlt....
Manchmal macht es mich so verdammt wütend, weißt Du, dass Du einfach gegangen bist. Man ist ja nie so wirklich auf den Tod eines Menschen vorbereitet, auch nicht wenn er lange schon krank ist und war, aber DARAUF kann einen nichts vorbereiten. Nichts auf der Welt kann auf diese Wucht vorbereiten, wenn jemand, den man liebt, die Welt auf diese Weise verlässt. Die Wucht, mit der es uns getroffen hat, wie es uns die Füße wegzieht, das Leben auf Links dreht und die Welt verdreht ist zerstörerisch wie ein Tornado oder Schlimmeres – nicht äußerlich vielleicht aber innen drin, weißt Du. Innen ist Totalschaden! Schlimmeres habe ich nie gefühlt bis jetzt und ich kann auf ähnliche Erlebnisse verzichten.
Worauf ich wütend bin?
Na ja – in erster Linie bin ich nach wie vor wütend auf alles das, was uns beiden von Anfang an einen unguten Start in unser Leben beschert hat – und ich bin nicht bereit, davon abzusehen. Vergeben ist nicht mehr! Nie mehr! Die erste und alles auslösende und größte Verantwortungen bei den Tragödien unseres Lebens haben die damals Erwachsenen, die nicht in der Lage waren, adäquat zu handeln. DAS ist das erste und zerstörerischste Moment unseres Leben – Das Schlimmste, das man Kindern antun kann, ist verlassen und anlügen – ganz einfach....

Manchmal mein Lieber, bin ich auch wütend auf Dich.
Dann finde ich es egoistisch, einfach zu gehen und uns hier allein zu lassen.... Einfach rücksichtslos so was... bis ich dann wieder Dein Gesicht, diesen letzten Eindruck Deines Leides vor mir sehe, der sich so in mein Herz und meine Seele eingebrannt hat – und dann fühle ich nichts als Mitgefühl und Verständnis und Liebe – wirkliche Liebe zu Dir und den Wunsch, dass Du jetzt endlich Deinen Frieden haben mögest! Dann finde ich mich egoistisch, weil ich so sehr wünsche, dass Du nicht gegangen wärst!
Wenn ich es so anschaue, ist Beides egoistisch – und Beides darf so sein und ist nicht schlimm. Ich darf mir wünschen, dass es einen anderen Weg gegeben hätte und ich darf Dich so unendlich vermissen und wünschen, dass Du da wärst.. Und Du durftest natürlich diese Entscheidung treffen, ein Leben zu beenden, das an vielen Stellen nicht gut zu Dir war und das Du nicht mehr aushalten konntest. Es war Dein Leben und nur Du hattest das Recht zu entscheiden, wie viel davon Du aushalten konntest und wann es nicht mehr ging.

Vielleicht, wenn Du die Entscheidung noch einmal aufgeschoben hättest – noch ein wenig gewartet hättest, das denke ich immer noch und auch das ist egoistisch - und auch das nehme ich mir heraus.

Es bleibt mir und uns, darauf zu hoffen, dass es irgendwann leichter wird, erträglicher, aushaltbar. Dass dieses Leben noch Gutes bereit hält.
Die Hoffnung ist nicht mit Dir gestorben, sie bleibt – Glaube Liebe und Hoffnung. Der Glaube daran, dass Alles gut wird, die Hoffnung auf ein Wiedersehen und die unendliche Liebe zu Dir, die schon immer da war und immer da sein wird.
Sie wird alles überdauern, das steht fest.


Sonntag, 13. Dezember 2015

Geliebter Bruder,                                                                                                                           13.12.15
heute ist es zwei Wochen her, dass ich Dich zum letzten Mal gesehen habe. Berühren konnte.
Das letzte Mal für immer in diesem meinem Leben, das ich jetzt ohne Dich weiter leben muss. Und werde, das wohl.
Wie du da gelegen hast, kalt, unbeweglich, ohne jedes Leben in dir, habe ich gesehen und verstanden, warum du gegangen bist.
Ich habe es begriffen und doch nicht.
Dass unsere Liebe nicht mehr Deinen Weg bestimmt und geleitet hat, dass sie dir kein Trost war. Ich habe es verstanden und gesehen, es war verewigt in deinen Zügen und für immer in unserem Gedächtnis und in unserem Herzen. Es macht mich um so trauriger und auch wütend.
Bruderherz,zu gehen war nur für dich eine Lösung. Uns wären sicher noch viele andere Lösungen eingefallen. Viele und machbare.
Leider weiß ich nur zu gut, was dir das Vertrauen in dieses Leben genommen hat. Das Vertrauen darin, dass unsere Liebe dich getragen hat und dass du er Wert warst und bist!
Nun stehe ich da, bin fassungslos und verletzt und einsam und weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich das schaffen soll. Das Leben hat uns schon einmal für so lange Zeit getrennt und ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass diese Trennung nun für immer sein soll. Weißt du, ich finde das nicht fair. Vier Jahre sind verdammt noch mal einfach nicht genug!
Vier Jahre, in denen wir nicht annähernd über Alles geredet haben. Wir haben es noch nicht mal geschafft, uns so richtig zu streiten – so wie Geschwister das manchmal tun...
Wir hatten nicht genug Zeit.
Meine Gedanken kreisen den ganzen Tag um dich. Ich warte täglich darauf, dass der Albtraum aufhört, dass du mir schreibst, so wie in den letzte Jahren fast täglich. Aber so oft ich nachsehe, kein „Na Kleene, wie isses heute?“ Ich habe mich sogar bei dem Gedanken ertappt, dich anrufen zu wollen, einfach um deine Stimme zu hören, aber dann ist mir eingefallen, dass ich das nicht mehr kann... Es erschlägt mich so – mich und alle anderen auch!
Weißt du, ich habe wie immer Unglück kommen sehen, habe lange schon gewusst, dass etwas Schlimmes passiert, eine Katastrophe, aber nichts konnte mich darauf vorbereiten, was passiert.
Hätte ich an irgendeiner Stelle reagieren müssen? Anders handeln? Zu Dir fahren und dich beschützen? An welcher Stelle hätte ich dich noch bewahren können? Ich weiß es nicht und ich finde auch keine Antworten darauf. Immer und immer wieder hämmert diese Frage durch mein Hirn und ich habe keine Ahnung, wie ich damit weiter machen soll. Mit dem Gefühl, etwas versäumt zu haben.
Das sind natürlich egoistische Wünsche. Da wo du jetzt bist, bist du alles los, was dich so hat verzweifeln lassen.
Oder siehst du von da aus, was du angerichtet hast und bereust es auch ein bisschen? Ich hoffe inständig, dass alles Irdische dich da nicht erreichen muss und du wenigstens jetzt deinen Frieden hast!
Echten und unendlichen Frieden.
Ich hoffe einfach, dass du nun endlich glücklich sein kannst! Natürlich hätte ich es so viel lieber gehabt, wenn wir das Glück und den Frieden hier hätten teilen können.... Nun muss ich warten, bis ich da bin, wo dein Glück ist.
Für mich wird es noch ein weiter Weg bis dahin.
Ein langer und im Moment wirklich nicht einfacher Weg. Im Moment habe ich einfach nur das Gefühl, dass alles voller Trümmer und Steine und Mauern ist. Mein Geist ist vernebelt von Traurigkeit, mein Herz schmerzt und ich fühle mich wie aus Blei. Ich muss mich jeden Tag zwingen, überhaupt aufzustehen und begrüße den Schlaf als Oase, in der ich nicht denken und bewusst fühlen muss. Aber auch in meinen Träumen ist die Trauer allgegenwärtig und im Moment finde ich nur wenig Trost - egal wo. Ich kann vor lauter Nebel und Traurigkeit den Weg nicht erkennen.
Es fühlt sich an, wie bei vollem Tempo hingefallen – schwer verletzt suche ich meine Einzelteile zusammen und versuche, sie wieder zusammen zu setzen – und habe die ganze Zeit keine Ahnung, wie der Bauplan aussah. Dauernd fügen sich Dinge zusammen und nie fühlt es sich richtig an. Sie passen nicht mehr …..
Ein Teil von mir, der bei dir, in deiner Seele immer einen Platz hatte, all die Jahre, in denen wir uns nicht hatten, und vermissen mussten, aber immer wussten, dass wir da irgendwo sein müssen, dieser Teil meiner Seele, der mit deiner verwachsen war und ist, er ist mir dir gegangen und wird bei dir bleiben. So wie ein Teil von dir immer bei mir sein wird, in mir, fest verwurzelt und eins. Diese Teile werden irgendwann wieder zusammen finden. Irgendwann da wo du jetzt bist.
Unerreichbar für uns und unseren Schmerz....
Ich finde dich in meinem Herzen, in meiner Seele, in meinen Gesichtszügen, meinen Augen. Du bist in den Kindern manifestiert – dein Gesicht, dein Art dich zu bewegen, dein Humor, deine liebevollen Augen... Es bleibt und der Tag wird kommen, wo es mich wieder mit Freude und Dankbarkeit erfüllen kann, statt mit Trauer und Verzweiflung.
Manchmal höre ich deine Stimme Bruderherz.
Und dann denke ich, du wirst immer bei mir bleiben...
Irgendwie wird es irgendwann weiter gehen. So oder so... für und alle... dieses Leben hier – ohne dich.
Das tut es schon die ganze Zeit.
Die Welt ist nicht stehen geblieben.
Die Zeit auch nicht.
Eine andere Zeit ist angebrochen.

Grüß Papa von mir!

Donnerstag, 13. August 2015

Ich hatte heute eine seht unschöne Diskussion mit einem besorgten Bürger...  hier mein Ergebnis :


Und noch ein Wort zu den Flüchtlingen

Die heute reichen Nationen haben jahrhunderte lang andere Länder ausgebeutet, die Menschen unterworfen und ihnen ihre Lebensgrundlage genommen, für unseren Wohlstand und unsere Genussmittel müssen Menschen hungern, Kinder arbeiten statt in die Schule zu gehen und werden Menschen ausgebeutet - für unsere Handys, unsere Kleidung, unseren Fernseher, unseren Kakao, unseren Kaffee, unseren Pfeffer, unser Obst und und und - wir haben genommen und tun das nach wie vor ganz selbstverständlich - Menschen leiden für unseren Luxus, unsere Konsumgeilheit und unser Unmaß - nie haben wir ihre Ressourcen mit ihnen geteilt und sie noch belächelt und abgetan als unzivilisierte "Drittweltler", wir schicken Waffen in jeden Winkel der Welt - und das machen "die da oben" mit unserer Legitimation - wir haben sie gewählt und lassen ihnen den Freiraum, den sie sich nehmen, ganz entgegen dem Gedanken einer Demokratie - und jetzt kommen die Menschen aus eben diesen Ländern, die wir seit hunderten von Jahren ausbeuten und wollen Hilfe, bitten uns zu teilen und werden begrüßt mit "Ausländer raus" und Fackelzügen vor ihren Unterkünften, mit Hetze und Häme, mit Anschuldigungen, sie wollten unser Sozialsystem ausnutzen, das wir auf ihrem Rücken geschaffen haben, mit falschen Anschuldigungen und Schmähpropaganda, mit Sätzen wie "die wollen sich hier ein schönes Leben machen und auf unsere Kosten leben!"

Diese Menschen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, außer vielleicht einfach in dem falschen Land geboren worden zu sein...

Ich sage Euch SCHÄMT EUCH!!!  WIR sind die die auf Kosten anderer unser Leben leben, unseren Luxus und unseren Konsum, die sich bereichern auf Kosten eben der Menschen, die jetzt kommen und ein Stück von dem Kuchen haben möchten, deren ZUtaten aus ihrer Heimat kommen..  Wir sind die, die eigentlich demütig die Türen aufreißen müssten und sie alle einladen müssten, anstatt von Futterneid getrieben und von Unzufriedenheit gesteuert Häme über diese Menschen auszugießen!
Schämt Euch!
DAS ist ekelhaft, menschenverachtend und widerlich!

Und ich zitiere mal wieder -frei - Hagen Rether:
Wieso wundern wir uns jetzt eigentlich, dass die mal gucken kommen, was wir mit ihren Gütern so machen!
und zu dem Satz "Wir können ja doch nicht die Welt retten, sagte dieser wunderbare Mann sehr treffend:  "Wer denn sonst?"

Das lasse ich dann mal so stehen!