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Lieber geliebter Bruder,                                                                                                         27.05.2016


die Zeit vergeht und sie vergeht ohne Dich!
Die Tagesklinik liegt hinter mir und ich kann wieder ein bisschen geradeaus gucken.
Es war eine gute und intensive Zeit und ich habe viel verstanden und mitgenommen.



Und es bleibt ein großes Loch, eine Leere, wann immer ich an Dich denke.....
Es ist nicht einfach und wird es wohl nie sein....
Ich weine viel, weil es angemessen ist, weil den eigenen Bruder nach so kurzer gemeinsamer Zeit auf diese Art und Weise zu verlieren eine verdammt traurige Angelegenheit ist, das kann ich Dir sagen. Es ist nicht mehr so dunkel in mir, das Licht findet wieder einen Platz in mir, aber die Tränen wollen nicht aufhören.
Tränen über den Verlust, die Trennung, die Sprachlosigkeit, die Unfassbarkeit und das unermes…
So Bruderherz,
es ist viel Zeit vergangen, seit meinen letzten Zeilen....  Ich hatte in der letzte Zeit einfach keine Kraft, zu schreiben... 
Wie sieht es aus..
Ich bin in der Tagesklinik gut aufgehoben, aber ich komme gerade nicht so richtig voran. Ich arbeite daran, aus dem Loch heraus zu kommen, aber es ist so unendlich viel schwieriger, als ich dachte.
So unendlich schmerzhaft...
So unglaublich unerträglich...
Du fehlst mir so und ich kann manchmal kaum aushalten, dass ich Dich nicht anrufen, Dir nicht schreiben kann und dass Du mir nicht mehr antwortest.
Vielleicht wird es tatsächlich besser, wenn ich hier aus Hörde wegkomme und auf der anderen Seite von Dortmund einen neuen Anfang wage....  Es muss besser werden.
In der letzten Zeit hatte ich viel zu oft das Gefühl, es nicht zu schaffen....   . Keine Kraft mehr zu haben - auch wenn ich immer sage, Aufgeben ist nicht meins - ich war mehr als einmal kurz davor.
Ich weiß, dass Du nicht mehr darüber nachdenken konntest, was Du hier …
Liebster Bruder!                                                                                                                           28.02.16


Heute ist so ein Tag, weißt Du!
So ein Tag, an dem ich denke, ich müsste Dich mal wieder anrufen, mit Dir reden, Deine Stimme hören. Ein Tag, an dem ich es gut gebrauchen könnte, Dein „ach Kleene, das wird schon, wir haben ja uns!“ zu hören.
Aber ich höre Deine Stimme nur noch in meinem Kopf, kann mit Dir reden, ohne eine Antwort zu erwarten, schreibe Dir in dem Wissen, dass es mich vielleicht ein wenig entlastet, aber Du mir nicht mehr zurückschreiben wirst...
Es tut weh! Mehr, als ich aushalten möchte.
Ich will nicht, verstehst Du! Ich will, dass es wieder so ist, wie vorher.
Heute kann ich auch nicht denken, dass ich Dich verstehe, dass ich weiß, dass Du erlöst bist von Deiner Trauer und Verzweiflung.
Da, wo Deine Tr…
Bruderherz,                                                                                                                                   20.02.16


ich bin ratlos.....
Ich denke hin und her und komme nicht zur Ruhe.
Es ist, als ob ich erst jetzt nach und nach begreifen kann, dass es endgültig und wirklich ist. Kann ich es begreifen? Nein, so sehr ich mich an deinen letzten Anblick erinnere, Deine kalte Hand unter meiner spüre, immer noch, ich will es einfach nicht begreifen. Ich will nicht hinnehmen. Ich kann diese Endgültigkeit nicht ertragen.
Es wird nicht erträglicher mit der Zeit, nur wirklicher.
Und weißt Du was! Ich möchte mich wie ein trotziges Kind hinwerfen oder mit dem Fuß aufstampfen und brüllen „will nicht will nicht will nicht!!!!!“



Ich bin nicht bereit, das weiter mitzumachen.
Das habe ich nicht verdient, verstehst Du! Ich habe nicht verdient verlassen und vergessen zu werden, zurückgelassen und traurig und allein. Diese Erfahrung habe ich seit meiner Ge…
Liebster Bruder,                                                                                                    11.01.2016

das neue Jahr hat angefangen und es ist ein Jahr ohne Dich ....  wie viele viele Jahre zuvor auch schon. Es ist schon fast acht Wochen her, dass Du uns verlassen hast und dahin vor gegangen bist, wo wir Dir erst später folgen werden.
Acht Wochen, die viel verändert haben, obwohl so Vieles gleich geblieben ist.
Weißt Du, es ist immer noch nicht einfach, daran zu denken, dass Du nicht mehr bei uns bist. Es tut immer noch weh und von Zeit zu Zeit überkommt es mich und uns hier und wir beweinen das Unabänderliche!
Ich hatte in den letzten Wichen viel Zeit zum Nachdenken und mir ist Vieles so viel klarer geworden von dem, das Dich von uns weg in die Ewigkeit getrieben hat!
Ich habe in der Rückschau das Gefühl, dass die Unabänderlichkeit dessen, dass Du nie die Gelegenheit haben wirst, mit Papa zu reden und Dich mit ihm auseinanderzusetzen, Dich letztendlich zerschm…
Statement!

In einem Land, in dem Menschen sich weigern, der eigenen Vergangenheit wenigstens die Verantwortung zum Lernen abzuringen, in dem die Shoa geleugnet wird, in dem Menschen sich nachhaltig weigern, die richtigen Schlüsse aus Vergangenem zu ziehen, fühlen sich männliche Vertriebene genötigt sich wegen ihrer reaktionären und sexistischen und gewaltbereiten Mitmänner zu entschuldigen und fremdzuschämen - in einem Land, das selbst an sexistischen Botschaften in den Medien und in der Werbung kaum zu überbieten ist, in dem Vergewaltigung ob ehelich oder nicht mit lapidaren Strafen bedroht ist - wohingegen die Opfer von sexualisierter Gewalt lebenslänglich haben.... und zwar egal, von wem sie ausgeht...  Und die Reaktion darauf, dass Frauen sich gegen die Generalverdachte stellen sind spannend:

"1. Das habt ihr nun davon
2. du machst nurs Maul auf, weil es nicht dich und deine Töchter getroffen hat
3. dann hoffen wir mal, dass es das nächste mal dich trifft du Gutmenschenschlam…
Liebstes Bruderherz,                                                                                                                     27.12.15
jetzt sind es schon fast fünf Wochen ohne Dich! Fünf Wochen sind nicht viel und dennoch scheint es, als wäre es eine Ewigkeit....
Noch immer muss ich den Impuls unterdrücken, Dir Nachrichten zu schreiben... Ich rufe Deine Seite auf und schaue, was es Neues gibt – letzter Eintrag am 23ten November – dem Abend vorher... danach kein Lebenszeichen mehr – meine Nachricht hast Du schon nicht mehr gelesen.
Wie erwartet und wie unangemessen ist das Leben einfach weiter gegangen. Die Tage kommen und gehen und auch Weihnachten haben wir überstanden. Es war kein frohes Fest dieses Jahr – schön dennoch auch mit den Kindern und mit Micha und mit der Wahlverwandtschaft. Schön irgendwie, weil ich abgelenkt war und weil ich genug Medikamente nehme, um das aushalten zu können.
Aber dennoch... Jede verdammte Nacht werde ich wach und frage mich, was ich h…